Also, den Versuch, mit POLARSTEPS über meine Reise zu berichten, habe ich aufgegeben. Für mich nicht so komfortabel, wie gedacht und für die interessierten Leser auch nicht. Und die öffentlichen Kommentare, die hier nichts zu suchen haben, tun ihr Übriges. Also zurück zu meiner guten alten Internetseite. Die kann ich in Grenzen selbst gestalten, auch wenn es mehr Mühe macht.
Mexiko-City, 31.12.2025
Im ablaufenden 2025 habe ich versucht, mit Sport mich fit zu machen, weil´s ja gesund sein soll und ich rausbekommen wollte, ob ich noch "gut" bin, für eine Reise, ich meine, für eine "richtige" Reise. Dazu nutzte ich das neue Hiddenseer Fitnesscenter und die guten Ertüchtigungsangebote unserer tollen Physiotherapeutin Anne. Und, was soll ich sagen? Ich habe mich dabei so gut gefühlt, dass ich mich für die Reise durch Mittelamerika, die ich schon lange im Kopf mit mir herumtrage, entschieden habe. Meine BETA (2) ist mit 25 Tkm fit und ich - na ja - ich mach´s jetzt einfach nochmal, Für mich ist das Reisen auf zwei motorisierten grobstolligen Rädern die beste Art, interessante Regionen der Welt zu entdecken.
Meine BETA ging vor zwei Wochen wohl präpariert, gut ausgerüstet und in einer Kiste verstaut auf die zweiwöchige Seereise nach Veracruz. Für mich und damit auch für Marianne waren die letzten Wochen der Vorbereitung - zumal in der Vorweihnachtszeit - sehr stressig und alles andere als "vorweihnachtlich". Zu viele Dinge mussten vor der Abreise ins Lot gebracht werden. Meine Anspannung legte sich erst etwas, als ich nach der Landung hier im Hotelzimmer gelandet bin, einen langen Spaziergang durch die Altstadt von Mexiko-City machte und nun ahne, dass es eine gute Entscheidung war. Ich hoffe, dieses Gefühl kann ich jeden Tag und auch bis zu einem guten Ende der Reise haben.
In zehn Minuten stoßt Ihr zu Hause auf das neue Jahr an. Und ich habe nicht mal Wasser auf der Bude zum Anstoßen über den Großen Teich mit denen, die mir lieb sind und die meine Reise vielleicht verfolgen. Euch allen wünsche ich ein glückliches und gesundes Neues Jahr. In der Nähe habe ich ein Restaurant-, Kneipen- und Barviertel mit Musik entdeckt. Da werde ich mich heute tummeln, vielleicht bis auch hier das Neue Jahr begrüßt wird.
Veracruz, der 04.01.2026
Mit Uber, was hier wunderbar und einfach funktioniert, gings zum beindruckenden Busbahnhof, zu dem man über einen Tunnel in die beeindruckende Kuppelhalle gelangt. Die Busse docken draußen am inneren und äußeren Kreis an (Buchten für ca. 100 Busse). Die Busfahrt über Autobahn und Landstraßen dauerte etwa 7 Stunden. Es ging irgendwie gefühlt immer bergab - Mexiko-Stadt liegt auf etwa 2.300 m Höhe. Während die Vorstadt, Nadelwälder, Felder, trockene Kakteen-Landschaften und dann zum Meer hin tropische grüne Regenwälder am Bus vorbeizogen, buchte ich mir ein Hotel in Veracruz und genoss 4 Stunden lang das Hörbuch von Dieter Nuhr „WOHIN – Eine Reise von der Mitte der Gesellschaft bis an die Ränder der Zivilisation“. Einfach genial! Ein besseres (satirisches) Spiegelbild unserer inzwischen verkorksten Wirklichkeit ist nicht möglich. In jedem Satz eine Aussage, die den Nagel auf den Kopf trifft, in manchen Sätzen gleich mehrere. Jedenfalls für mich, der sich durch seine gelegentlichen weiten Reisen meint, einen Blick von außen auf unsere Gesellschaft bewahrt zu haben.
Mit im Bus war ein deutsch/chilenisches (Rentner-) Ehepaar Anette und Payo war ein Kämpfer (ohne das jetzt näher erläutern zu wollen) während Allendes Republik, landete nach dem Pinochet/CIA-Putsch im Knast und wurde durch die BRD rausgeholt nach Deutschland geholt und lebt seitdem dort. Ich erzählte von einer Begebenheit aus meiner Seefahrt, als wir bei der Umrundung Afrikas auf dem Weg nach Asien, Freetown im Senegal anlaufen mussten, um unseren Chief dringend nach Hause zu schicken. Später erfuhren wir, dass er zu einer Spezial-Truppe der DSR (meiner Reederei) gehörte. In einer Aktion wurde eine Besatzung zusammengestellt, die auf ein Schiff stieg, das gerade in Mittelamerika unterwegs war und in einer Nacht- und Nebelaktion gefährdete Chilenen von er offenen Küste abgeholt hat. Das ist das, was ich wusste. Payo wusste die Einzelheiten, nämlich, dass drei Punkte vor der Küste angelaufen wurden und 64 Menschen abgeborgen wurden und da das Schiff mit dieser Fracht natürlich nicht durch den Panama-Kanal sondern ums Kap Horn nach Rostock zurückfuhr.
Ach ja. Kurz vor der Reise habe ich mir noch eine „gebrauchte“ spanische Grammatik in Taschenformat gekauft. Ergebnis: Langenscheit 1953 in Frakturschrift“, also lernen nach „alter Schule“. Eines habe ich schon mal unterschätzt: Englisch hilft mir hier fast überhaupt nicht, selbst in der Hauptstadt und mit Studierten. Und wenn ich es nicht schaffe, zu meinen uralten Seemanns-Spanisch-Fragmenten dazulerne, wird´s eng unterwegs, sehr eng!
Veracruz, 05.01.2026
Ich bin allerhand gewohnt, was Unterkünfte auf Reisen anbetrifft aber gerade in Veracruz, zumal ich wohl einige Tage hierbleiben werde, wollte ich nicht wohnen wie in einem Bergdorf in Pakisan. Eine Bitte nach Tisch und Stuhl brachte mir ein besseres Zimmer mit Möbeln ein. Auf die fehlende Klobrille und den Krach von der Straße – gepfiffen. Bilder: Mein Hotel
Das Hotel liegt in der Altstadt direkt am Hafen. Natürlich bin ich abends noch los auf den Malecon, die Uferpromenade mit Blick auf den Hafen. Und da, muss ich gestehen, sind mir die Tränen gelaufen. Alles noch da. Die Fingerpiers, wie ich im ersten Lehrjahr zum Vollmatrosen im Fach Seeverkehrskunde gelernt habe, und, was ich nicht erwartet hätte, die Schiffe. Natürlich nicht mehr die gleichen, aber Schiffe „mitten in der Stadt“. Das gibt es kaum noch auf der Welt. Wenn ich von damals rede: Damals, das war Herbst 1965 und ist genau SECHZIG JAHRE her, als ich nach dem Abitur auf dem Lehrschiff “MS „Johann Gottlieb Fichte“ drei Reisen hintereinander hier war. Später noch ein paarmal auf anderen Schiffen.
Von den 50 Pfennig oder später als Funkoffizier 2,5 DM Devisen pro Tag kauften wir hier Chiglets (amerikanische Kaugummi), verkauften sie Riegelweise auf Kuba. Ein 50er Päckchen Chiglets = 100 Kuba Libre an der Copa Cobana oder wo wir sonst wo auf Kuba festmachten.
Aber zurück zu dem überwältigenden Gefühl, das mich überkam. Es war natürlich die Freude darüber, dass ich nicht nur noch da bin, sondern noch einmal HIER. Nach so vielen Jahren! Die ersten Jahre der Seefahrt haben sich besonders in den Erinnerungen an die Seefahrtzeit festgesetzt und oft schon dachte ich daran, dass es auch die spannendsten und schönsten waren. Die Welt – jedenfalls die ferne Welt – war eine ganz andere, wildere, als die, aus der ich kam und schon gar wie sie heute ist. Heute ist hier noch der Hafen mit Schiffen in der Stadt, wenn auch mit einer Mauer davor, einige Gebäude an die ich mich erinnere, wie das damals beeindruckende moderne, und wohl höchste Gebäude der Stadt und die Altstadt um den Hafen herum.
Die Dockschwalben sind allerdings sind wohl davongeflogen oder aus Altersgründen nicht mehr da.
Veracruz, am 08.01.2026
Heute Abend bin ich der wahrscheinlich glücklichste Mensch in Veracruz. Auch wenn ich immer noch nicht mal ein Fädchen zu meiner Beta in der Hand habe. Die Agency, die den Fall bearbeitet sitzt in Mexiko-City und hat mich per email vertröstet mit „sie würden dran arbeiten“. Seitdem nichts mehr. Wegen der Heiligen drei Könige hängen sie anscheinend noch eine lazy Woche dran. Also gedulde ich mich und hoffe auf die kommende. Schlaumeier werden jetzt sagen: „warum bist Du denn auch noch im alten Jahr abgehauen?“. Ganz einfach: Die „Clemens Schulte“ sollte schon am 28.Dezember hier anlegen und vor Mitte Januar war kein bezahlbarer Flug mit passabler Flugzeit zu haben. So kann ich hier meine Reise zu Ende vorbereiten, was ich zu Hause nicht geschafft habe, z.B. rauszufinden, dass POLARSTEPS nichts für mich ist und ich mich erst wieder reinfinden muss, auf meiner homepage zu arbeiten. Und das wird so langsam. Und außerdem könnte ich nicht im Hemd rumlaufen, wenn ich den Hiddenseer Wetterbericht sehe. Vom Essen ganz zu schweigen. Marianne wartet seit drei Wochen immer noch auf den neuen Herd, nachdem der alte pünktlich vor Weihnachten seinen Geist aufgegeben hat.
Glücklich bin ich, weil ich heute meine Beißerchen von der reizenden Zahnärztin wiederbekommen habe. Sie hat sich sehr große Mühe gegeben und das Zahnlabor auch, haben das Ding etwas verstärkt, weil sie wussten, dass es noch sechs Monate halten muss uns sitzt prima.
Zum "Testen" mal ein paar feurige Videos
Seit genau einer Woche bin ich nun schon in Veracruz, war im Stadt-, im Marinemuseum und heute in einer Fotoausstellung „Emotionen“. Viele Stunden habe ich auch an meinem kleinen alten Reise-PC gesessen, um ihn so eizurichten, dass ich „stapelweise“ Fotos internetgerecht aufbereiten und Videos auf meine Seite stellen kann (geht nur über den Umweg hochladen auf Youtube).
Alles Dinge, die ich schon auf vergangen Reisen gemacht habe aber erst wieder neu erlernen muss. Für die Sammel-Mail alle Emails tippen, weil copy/paste bei den meisten nicht funktionierte. War nicht einfach mit meiner, ständig Fehler produzierenden Tastatur.
Ich habe also die Zeit gut genutzt – nun reicht´s aber auch langsam. Ich hoffe, ab Montag geht hier was los. Ich werde noch eine freundliche Email an die -Agency schreiben und mich in Erinnerung bringen. Heute habe ich mir DUOLINGO auf meinem Handy installiert und will es noch einmal mit dieser Sprachschule versuchen, ergänzend mit der Praxis draußen
Ach ja, dann habe ich den freundlichen Gerardo kennengelernt. Wir sitzen ab und zu irgendwo zu einem Kaffee zusammen, was mir sehr hilft, mich hier einzunorden. Er hat mir ein anderes Hotel organisiert und da er mit der Besitzerin befreundet ist, zum gleichen Preis, wie meine vom Straßenlärm sehr laute alte Bleibe. Mein Zimmer ist sehr gemütlich, dass ich mich auch am Tage gerne mal hierher zurückziehe. Gestern habe ich geträumt. Habe im dunklen Treppenhaus nicht mitbekommen, dass es auf „halbe Treppe“ noch eine Stufe gab, bin ins Leere getreten und gestürzt. Ergebnis: dicke Beule am Hinterkopf und die linke Arschseite tut so weh, dass ich heute Schwierigkeiten beim Laufen hatte. Das Mädel der Rezeption ist gleich gesprungen mit Trinkwasser (hilft hervorragend beim ersten Schmerzschock) und Beutel mit Eiswürfeln für die Birne. Später meldete sich die Besitzerin mehrmals fürsorglich über Telefon.
Nun sind wieder vier Tage vergangen und ich will ein paar Schnipsel meines Daseins in Warteposition zusammentragen. Das schlechte lasse für zuletzt.
Die zentrale Plaza.
Plazas sind kleine Parks, die sich in die schachbrettartig angelegten Städte als ein Feld einfügen mit alten Laubäumen, Palmen, Pflanzen, Blumen und Parkbänken und kleine Oasen in den von tropischer Feuchtigkeit verwitterten Betonwüsten schöne Ruhepunkte sind. Und eben die Plaza vor dem Hafen ist mir in guter Erinnerung geblieben aus den Jahren der Seefahrt. Es waren die Jahre, in denen wir noch mit dem „Landgang“ machen konnten, was wir wollten ohne die späteren immer restriktiveren Beschränkungen. Da gibt es die Erinnerung an wilde Abende mit Seeleuten der westdeutschen „Monsun“, die ihr Schiff selber „Hotel Monsun“ nannten. Das Schiff war auf seiner letzten Reise von Chile in die USA und sollte dort verkauft werden. Dass dort dann nicht zu viel „Ballast“ ankam, hat der Purser (Zahlmeister) auf der Reise alles verscherbelt, was sich zu Geld machen ließ. So einen wilden Haufen habe ich auch später nicht mehr erlebt. Und ich wurde großzügig dazu eingeladen, das Geld auf den Kopf zu hauen. Warum „Hotel Monsun“? Das ist eine andere Geschichte …
Ein andermal hatten wir einen Jeep aus Aluminium als Ladung an Bord, der vormals dem Prof. Grzimek gehörte und nun einem tollen Typen, der von Mexiko aus um die Welt reisen und die Reise mit Bildberichten an verschiedene Publikationen finanzieren wollte. Das war, Ende der 60er, noch was Besonderes. Mit ihm hatte ich auch einige schöne Abende auf der Plaza. Eine beeindruckende Fotoausrüstung hatte er, wollte sich als Kenner Mexikos noch einen Revolver beschaffen und ein dt. Schäferhund zur Bewachung seines Autos wartete schon in Mexiko-City auf ihn. Na ja, Geschichten, die mich berühren, wenn ich nach einem Menschenleben wieder an solche Orte komme. Jedenfalls ist hier an Wochenenden was los: die Tanzvideos sind von meiner Ankunft. Da es übers letzte Wochenende stürmisch und kalt (16-18 Grad) wurde, ging kein Köter auf die Straße.
Ein Sehr schöner Bücherladen gleich gegenüber. Die kolonialen Häuser und Paläste wurden oft aus Korallen, die in den Bergen abgebaut wurden und Ziegelresten errichtet (Im Bücherladen gut zu sehen). Am Sonntag war ich im Aquarium südlich der Stadt und am Strand bei Sturm. Das Aquarium ist sehr schön. Besonders ein riesiges verbundenes Rundbecken um eine zentrale Halle herum und unter dem es durch einen Tunnel auch drunter durch ging. Wie die Fischschwärme allerdings überleben zusammen mit den Haien und Barracudas?
Ja, eigentlich wollte ich im Land mit meiner Beta unterwegs sein. Nachdem mich die Agency in Mexiko-City eine Woche lang mit No-information wirklich verschaukelt hat, gestaltet sich die Sache hier als noch viel komplizierter. Obwohl ich dreimal, jedes Mal etwas deutlicher, per Email in Mexiko-City (mein einziger Kontakt) darum gebeten habe, mich zu informieren, wie es weitergeht, und was ich tun muss, kam gestern am Montag endlich nach einer Woche eine brauchbare Antwort „ich solle mir in Veracruz eine Agencia Aduanal suchen, einen Zoll-Agenten, Vermittler zwischen Kunde und Zollbehörden. Gerardo (s.o.) recherchierte und fand einen geeigneten. Juan Carlos heißt er und ist, denke ich, sehr kompetent.
Das Scenario aber für meinen Fall, ein Reise-Motorrad zeitweilig einzuführen als eigenen Untersatz, mit dem ich demnächst wieder über die Grenze ausreise nach Guatemala oder Belize, scheint hier nicht vorgesehen.
Als ich Juan Carlos ein Foto zeigte und er die Koffer sah, in denen auch noch kleine Ersatzteile und technische Flüssigkeiten und gar meine Medikamente für 6 Monate drin sind (!), bekam er Schweißperlen auf der Stirn. Nach den Zollgesetzen gehören diese zusätzlichen Dinge nicht zum Motorrad, sondern sind extra zu betrachtendes Zubehör, Öl ein besonderes Importgut und Medikamente wären eh verboten. Die 7tägige kostenfreie Lagerung ist heute abgelaufen und er vermutet, dass der Zoll 14 Tage dran arbeiten wird, die Kiste ohne mich aufmacht und die Probleme beim Aufmachen der Koffer ohne meine Argumente bewertet werden. Ob die Erklärungen des Zollagenten beim Einreichen des Stapels Papier irgendwie Gehör finden werden, da habe ich meine Zweifel, so wie Juan Carlos diese Behörde beschrieben hat. Was wäre das Leben ohne Probleme denn auch für ein Leben? Langweilig – oder?
23. Januar 2026
So.! Da bin ich wieder. Mein Wegbleiben hatte Gründe, die mir keine Lust und Kraft zu schreiben ließen. Der Reihe nach …
Die vier Wochen der Reisevorbereitung vor Weihnachten waren hart mit Stress, Nervosität und 12h/d Dauerlauf ohne Pause, um all die Dinge in Ordnung zu bringen, die Mariannes „Überleben“ für die nächsten Monate sichern sollen, ohne ihren Buchhalter, Hausmeister, Brubbelkopp usw. O.k. Letzeres ist ´ne andere Geschichte. Totalschäden von Herd und Wäschetrockner und weiteren kleinen Dingen. Weihnachtsbraten im Ofen vom „Enddorn“ (Danke Thomas) und dann eben Weihnachten …
Schuhputzer. Die gibt`s immer noch aber die alten amerikanischen Stühle allein waren Hingucker
Motorrad.
Papiere, Papiere – und vor allem solche, die ich von hieraus nachträglich nicht beschaffen kann. Zunächst eine zeitweilige Aufenthaltsgenehmigung von der Marine-Bank ausgestellt, obwohl ich mit dem Einreisestempel 3 Monate Visum habe). Ein Tag, und Schwups, hatte ich es für nur 50€. Ich kriege nicht mehr alles zusammen aber solche Papiere wie: Nachweis meines Wohnortes.
Im Reisepass steht völlig bescheuert: Hiddensee, OT Grieben. Seit 30 Jahren rege ich mich beim Meldeamt darüber auf, dass das mal Konsequenzen für mich haben kann. Jetzt habe ich sie bekommen. Unsere Steuerberaterin angemailt, Steuerbescheid `24 bekommen: Da steht aber drin Grieben und nicht 18565 Insel Hiddensee, Dorfstr. 3, wie in den Frachtpapieren… Dann Einkommensnachweis. War am Einfachsten - vom Konto runtergeladen. Weiter: Fotos von unserem Haus und Umgebung. Hatte ich, aber ohne Straßenschild und/oder Hausnummer.
Eine Katze, die im Fischladen Trockenfutter frisst. Wie ich als Kind, der Kunsthonig der Marmelade aus dem Garten vorgezogen hat
Der Honorar-Konsul
Gerardo brachte mich auf die Idee zum dt. Konsul in Veracruz zu gehen. Er kenne ihn.
Ich gleich hin mit meinem Jammer und dem freundlichen emotionalen Schreiben auf Spanisch an den Zoll und anderen Papieren, das ich Tage zuvor verfasst hatte zur Einstimmung. Ich brachte ihn telefonisch zusammen mit dem Zoll-Agenten und Josè Antonio M. S. war sofort dabei. Erläuterungen mit seiner Assistentin und die Frage, ob ich was essen wolle? In so einer kleinen guten Stimmung natürlich und wir fuhren 20 km südlich zu seinem Haus, wo seine Haushälterin was Schönes gekocht hatte. Von seinem Vater hat er ein Unternehmen, ich würde sagen, ein Ingenierbüro übernommen mit 150 Leuten, das sich vor allem mit großen Hallen für die Industrie befasst. Zurzeit gerade für VW, die gerade mit der Golf-Produktion nach Mexiko abhauen. Sein Haus steht in einer geschlossenen Wohnanlage (die an den Stadträndern liegen) mit einem schönen Golfplatz mittendrin.
Als wir wieder zurück waren, Papiere siegeln und ab zum Zollagenten. Der freute sich über die frische Tinte und Bundesadler, drückte mir seine Papiere ebenfalls zum Abstempeln in die Hand und als ich auch die noch brachte, waren wir beide froh. Dabei ist auch eine dreiseitige Liste meiner Ausrüstungsgegenstände in der Kiste. Er hatte vorher die Möglichkeit, zusammen mit dem Zoll, bei einer Inspektion im Zoll-Lager (hoffentlich) alle meine Sachen zu erfassen. Und nun würde die Bearbeitung beim Zoll so acht Tage benötigen, mit Glück nur sechs…
Ob man so einen Scheiß lesen kann, bezweifle ich – aber ich bin´s los. Morgen kommen noch andere, richtig böse Geschichten der letzten Woche. Morgen fahre ich wieder raus nach Süden in ein Fischerdorf. Da war ich gestern und traf einen Burschen der mit seinem Katamaran, ähnlich wie unserer, der mit Leuten zu drei vorgelagerten Riffen/Sandinseln segelt. Will noch Sachen zusammensuchen.
Beim Konsul Josè Antonio zu Hause, der mir so freundlich aus einer der großen Patschen weitergeholfen hat
Scheiß, wir schreiben ja schon den 25. Januar
Falls ich die Beta mit meiner Ausrüstung wirklich noch bekomme, dann werden vier Wochen meines Hierseins vergangen sein !
Für Kapitel 2 meines Desasters will ich mich kürzer fassen. Normale Menschen verbringen ihre Zeit besser in Acapulco am Stand.
Also, nach dem Aufwachen an einem Morgen etwa vor einer Woche las ich eine Email von PayPal, dass soeben "mein Einkauf über 39,99 bei Microsoft" beglichen wurde. Sofort hellwach fand ich raus, dass es sich um ein Computerspiel handelt. Als mir klar wurde, was zu tun sei, hatte der Ganove mit einer fremden Identität sich noch drei weitere Spiele auf meine Kosten organisiert. Ich konnte die Abbuchungs-Berechtigung von Microsoft kappen und den munteren Einkauf stoppen
Nun aber gingen die Alarmlampen in meinem Kopf an und ich war hellwach. Ein Versuch, in mein Microsoft-Konto zu gelangen schlugen fehl mit: „Benutzername nicht bekannt“. Also waren mein Account gekapert und die Zugangsdaten ausgetauscht. Bis heute gelange ich mithilfe von Chat GPT-Unterstützung nach Tagen und Nächten nicht an einen Support bei Microsoft, um das Mikrosoft-Konto abzuschalten. Schande über Microsoft !
Ohne Benutzername – kein Zugang! Fragen, wie: „Was kann man wohl alles anstellen mit einem gekaperten MS-Account?“, „Gab es einen Einbruch in meinen Reise-PC“? machten mir zu schaffen.
Tage und Nächte, haben mich an meine Grenzen gebracht. Ich war richtig „im Arsch“. Und Fehler habe ich natürlich dabei auch noch gemacht, die als zusätzliche Probleme wieder auszubügeln waren. In was für einer Welt leben wir inzwischen?!
Das abgebuchte Geld habe ich problemlos von PayPal zurückbekommen mit der Bemerkung, dass es eine „unberechtigte“ Abbuchung war. Wo PayPal diese Erkenntnis herbekommen hat, weiß ich nicht.
Das ist die Bar, auf die sich die Erinnerung meiner ersten Reise beziehen
Als ich einigermaßen damit durch war, gab meine in dieser Zeit schon meckernde mickrige Ladebuchse am Rechner endgültig den Geist auf. Vorgestern bin dann los, fand schließlich jemanden, der sich ranmachen wollte in der sog. Plaza de Technologia, einem riesigen „Gassengewirr“ (in einem Haus) mit Handyhüllen, Kleinkram und eben ein paar Ständen, in denen vor allem Handys umhüllt, beklebt und repariert werden. Er war mit seinen dicken Wurstfingern sehr geschickt, verzweifelte aber daran, das alte Lötzinn von den winzigen Kontaktflächen abzubekommen und mehrere Lötversuche schlugen fehl. Ich denke, das lag an der letzten gleichen Reparatur auf Korfu während einer Balkanreise – das alte Zinn vertrug sich nicht mit dem neuen. Am Ende zog er los mit der Platine und kam nach fünfzehn Minuten erfolgreich zurück und alles funktioniert.
Was mein Motorrad anbelangt, sehe ich das jetzt, nachdem ich diesen Scheiß (hoffentlich) hinter mir habe, einfach „entspannt“. Was bleibt mir auch übrig? Ich habe ein nettes Zimmer, jeden Tag lange „Landgänge“, mit DUOLINGO versuche ich mein bisschen Spanisch zu pushen, Gymnastik und vielfältiges gutes Essen auf der Straße. Und schön warm ist es hier auch – um 26 Grad, manchmal weniger bei starkem Nordwind.
Gestern am Samstag bin ich mit einem vielen Klapperbusse 30 km weit nach Süden raus gefahren zu einem Strand, der hier sehr beliebt ist. Der Segelkatamaran, so´n kleiner wie unser und von dem die Rede war, der war nicht da. Vor der Küste gibt´s ein paar teilweise versandete Riffe. Auf die größte fuhr ich mit einem Shuttufle-Boot, ausgerüstet mit Wasser, Bananen, Brille und Schnorchel. Zu sehen gab es unter Wasser nichts außer Sand, Seegras und ein paar Fischen. Es kamen aber endlich ein paar Sonnenstrahlen an meinen Körper Beim Rumlaufen um das Inselchen machte ich diesen Fund aus tropischem Hartholz und vom Meer schön bearbeitet. Da dachte ich aus Dank an das schöne Haus vom Konsul. Als ich das Stück von mehr als einem Meter Länge hierhergeschleppt hatte, kamen mir Zweifel. Er hat so schöne Bilder an den Wänden und auch sehr schöne kleine Skulpturen zu stehen und alles ist so „ordentlich“! Ich werde ihm erklären, dass die Deutschen, denen er hier hilft, auf so´n „Scheiß“ stehen und dass dies ein besonders schönes Exemplar ist. Mal sehen, ob er mich für verrückt hält.
Angelegt habe ich an einer anderen Stelle in der Nähe mit Strandgaststätten und landete zum Essen neben einem Tisch mit etwa 10 Leute in der zweiten Lebenshälfte, die gut in Stimmung waren. Sie hatten ´ne große Box dabei und tolle Musik drauf. Mexikanische und amerikanische Oldies, wie ich sie mag Nach dem Essen ging dann die Party ab und es wurde wild getanzt Leute; von rings herum gesellten sich mehr und mehr Tänzer dazu. Tolle ausgelassene Stimmung. Wie auch hier in der Stadt am Wochenende. Gestern kam ich erst kurz vor Mitternacht von der Plaza zurück.
Veracruz, am 27.01.26
Am Wochenende war wieder schwer was los auf der Plaza am Hafen! In der Nacht drängelten sich die Bands und Alleinunterhalter auf der Kneipenmeile von etwa 50 Metern; mitunter 4 Bands gleichzeitig natürlich in ordentlicher Lautstärke. Meist sehr schöne Musik und am besten war die Samba-Truppe mit dem schwarzen Sänger, bei dem ordentlich abgetanzt wurde. Eines muss man den Mexikanern jedenfalls lassen – sie sind musikbegeistert und tanzfreudig aber auch total krachresistent! Wenn man durch die „besseren“ Einkaufsstraßen spaziert wird man vor jedem zweiten Geschäft mit „kräftiger“ Musik aus einer ordentlichen Box unterhalten. Ich mag die mexikanische ausdrucksstarke Musik sehr!
Heute war ich beim Zollagenten. Gerade als ich ankam, fuhr sein Mitarbeiter los mit einem neuen Stapelchen Pariere, wo u.a. mein Name drinstand. Juan Carlos machte mir die freudige Aussicht, dass ich damit rechnen könne, dass ich meine Kiste am Freitag, vielleicht schon am Donnerstag, also übermorgen evtl. bekommen könnte. Ein Freund, der einen LKW hat, würde sie dann aus dem Zoll-Lager abholen und zu einem Ort bringen, wo ich sie auspacken könne.
Wir saßen länger zusammen und er erklärte mir nochmal mit großem Bedauern die mexikanischen krankhaften Zoll-Verhältnisse. Er meinte, schwerlich hätte ich einen anderen Agenten gefunden, der sich mit der „temporären Einfuhr eines Motorrades nebst 50-teiligem Zubehör“ befassen würden und zu diesem Preis ohnehin nicht. Er hätte es sehr gerne für mich, der hier in der mexikanischen Zollfalle gelandet ist, getan. Wir fuhren noch los, zwei Computer für sein Büro zu kaufen und als wir wiederkamen, hatten seine Mädels gekocht für das gemeinsame Lunch, das sie täglich gemeinsam abhalten. Ich hatte einen schönen Stich vom alten Veracruz in den ehemaligen Stadtmauern mitgebracht und werde übermorgen als Dankeschön für die herzliche Freundlichkeit und große Hilfe das Lunch spendieren.
Morgen bin ich im Konsulat verabredet. Jose Antonio war einige Tage in Mexiko-City beim Arzt. Ich bin gespannt, wie mein Strandfund ankommen wird und muss jetzt schon schmunzeln…
Immer noch Veracruz, der 30.01.26
Meine Mitbewohner: Ein Taubenpärchen. Irgendwann vor über zwei Wochen saß eine Taube über meiner Kleinwäsche im dornigen Strauch auf meinem Balkon. Als sie aufflog, lag ein Ei drunter, am nächsten Tag ein zweites. Die Brütenden lassen mich mit meiner Wäsche und beim Wässern des Bottichs unter ihnen gewähren, ohne aufzufliegen. Zwischendurch lag ein Ei, unten im Topf, wie lange schon, weiß ich nicht. Jedenfalls legte ich´s zurück. Seit vorgestern wird der erste „Schlupf“ gefüttert. Mal sehen, ob meine gute Tat was wert war und es es noch ein Geschwisterchen gibt.
Plaza de Technologia
Markt
Montag, 2.Februar 2026 (Feiertag der Staatsgründung)
Ja, der erste Monat meines Hierseins ist rum und nachdem ich vor dem langen Wochenende wieder enttäuscht wurde, rechne ich nun damit, in den nächsten Tagen meine Beta endlich aus den Klauen des mexikanischen Zolls zu befreien. Das Unverständnis des „geneigten Lesers“ dieser Story kann ich gut nachvollziehen und erklären kann ich´s schon gar nicht. Das sind die Verhältnisse hier, wie mir alle Menschen mir hier bestätigen. Der Zollagent hat sich wirklich mit seinen 20 Jahren Berufserfahrung alle Mühe gegeben.
Viele Häuser hier in der historischen Altstadt sind in so einem Zustand. Für mich als Tourist bereichern sie den Charme dieser Stadt
Alle guten „Geister“ um mich herum, helfen mir nach Kräften mir über diese Umstände hinwegzuhelfen. Am Freitag luden mich Gerardo und seine Lebensgefährtin, die ich bei der Gelegenheit kennenlernen konnte, zum Lunch ein und später war ich mit dem Konsul Josè Antonio in der Oper verabredet. Offensichtlich, weil er meine Wissbegierde an allen Dingen mitbekommen hatte, lud er mich dazu ein, an einer Veranstaltung einer mexikanischen Entwicklungsbank teilzuhaben, die dazu diente, neue und günstigere Wege für Kreditvergaben für mittlere Unternehmen vorzustellen.
Die lokale Banken- und Firmenwelt war dabei. Ich versuchte, davon was mitzubekommen und der Konsul half mir dabei, das Thema wenigstens ein bisschen zu verfolgen. Die Einladung bezog sich aber wohl mehr auf das „Danach“ – dem fröhlichen Beisammensein mit sehr gutem Gin/Tonic, Rum und gaumenfreundlichen Häppchen. Es wurde spät und war auf Grund der Möglichkeit, Englisch zu sprechen ein sehr schöner Abend. Antonio brachte mich zu einem Taxi, was dann auch noch mal lustig wurde, weil ich dem Fahrer mit „gelöster“ Zunge auf Spanisch meine Situation und Pläne erzählen konnte, wobei ich dabei erfuhr, dass er vier Motorräder hat, die größte mit 1300cc.
Gerardo und seine Frau, die Oper, Der Konsul und sein Bruder und außen zwei Bankbesitzer, der rechte: ehem. Vertreter der Dt. Bank in Mexiko
Am Samstagabend war ich natürlich wieder im Zentrum und genoss die viele Musik rund um die Plaza herum. Ich glaube, die Freude an diesem „Feuerwerk“ von so ausdrucksstarker, energetischer und lebensfroher Salsa-Musik (in der Rumba, Mambo und Jazz vermischt sind (deshalb bedeutet sie wohl auch „Soße“), trage ich offensichtlich auch seit 60 Jahren mit mir rum. Den Rhythmus geben die Trommeln und Rasseln vor, den kräftigen lauten Rest packen Trompete(n) und Sänger drauf und Keyboard und Gitarre(n) füllen das Ganze zu einem irren Erlebnis, sofern man stabile Trommelfelle hat.
Eigentlich auf dem Heimweg, landete ich gegen 23:00 Uhr in einer vollen großen Bierkneipe voller Leute in karibisch ausgelassener Stimmung. „Die Kapelle“ kam vom „Band“ aber die Sängerin war toll“ und heizte den Tanzenden und Trinkenden ordentlich ein. Schnell war ich an einen Tisch eingeladen in den Kreis einer Familie (Mamá war 74) und ich „salsate“ mit – so gut eben, wie ein „aufgetauter“ deutscher Selten-Tänzer eben die Hüften zu schwingen und eine Oma herumzuwirbeln vermag. Jedenfalls war ich gegen 2:00 im Bett. In meinem natürlich.
Videos morgen, falls es mir nochmal gelingt, sie aufzuarbeiten und hochzuladen. und von dem heutigen Tag mit dem Konsul dann morgen.
Es ist Mitternacht und mit Kai bin ich morgen früh verabredet, meinen Computer abzuriegeln gegen Gangster
E i l m e l d u n g Happy Day in Veracruz heute, am 04.02.2026 !
Meine Beta ist seit heute aus den Klauen des Zolls befreit! Aus dem mexikanischen. Um zehn war die Kiste auf dem LKW eines Freundes vom Zollagenten verstaut, abends dann um 17:00 kam er aus dem Tor des Zoll-Lagers am nördlichen Rand der Stadt raus, weil die Schlange an LKWs lang und der Zoll so wie immer träge war. Der Freund hat nur die Spritkosten berechnet und mir dann geschickt beim Zusammenbauen der Maschine geholfen.
Im Dunkeln hinter Juan Carlos mit stotterndem Motor, der immerzu ausging, wenigstens bis zu seinem Büro. Das kleine Foto in der Mitte: weißglühender Auspuff von innen. Hier angekommen, war mir klar, was es sein wird: der Schwimmer vom Vergaser hängt oder eine winzige Dichtung hat sich wieder aufgelöst, wie ich es mal in Mazedonien hatte. Ich werde mir einen Schrauber suchen müssen, denn der Vergaser ist extrem eng eingebaut. So ist es nun mal: Keine Freude ohne ein Ach. Ich muss ins Bett – habe letzte Nacht kaum geschlafen.
Die freundliche und immer lustige Truppe von Juan Carlos
Am nächsten Tag
Nach halbtägigen Versuchen, an den Richtigen Schrauber zu geraten waren wir fündig. ALBERTO war dann der Richtige, der keine Bange davor hatte, ein unbekanntes Motorrad mit einem hier unbekannten Motor anzufassen und rum zu lamentieren, dass man den Motor zerlegen müsste. Der Vergaser war´s natürlich. Grüner Kleister am Boden der Schwimmerkammer und in den Düsen. Nun aber eine Störung in der Anzeige: Öldruck“. Glaube ich nicht, da das Öl neu und ausreichend, Ölfiler neu und die Öltemperatur im normalen Bereich ist. Vielleicht haben wir heute das entsprechende Kabel heute irgendwie „gestresst“ haben. So kann man einen Tag im schönen Veracruz auch rumkriegen.
Auch, wenn es schon wieder spät ist. Bevor ich nun vielleicht doch noch auf die Piste komme, liegt es mir am Herzen, den Lieben Menschen zu danken und sie noch einmal auf dieser Seite in Erinnerung zu rufen. Sie haben mir in meiner Lage gutgetan und mir in unterschiedlichen Lagen sehr geholfen und sind mir gute Freunde geworden.
Hier im Konsulat hätte ich die fahrfertige Kiste für Wochen abstellen können, wenn ich per Bus Mexiko bereisen müsste. Den Sitzauflage habe ich zugeschnitten und in ihrem Bezug auf meinen Sattel geschnallt, während die Perle Lirio (Lilie auf Deutsch) Emails an den ADAC versendete.
Juan Carlos (der Zollagent, der hatnäckig dran geblieben ist), Carlos (sein Mann für´s Grobe), Gerardo (der immer einen Rat hatte), José Antonia (der Honorarkonsul und umtriebiger Unternehmer, der mir viel seiner Zeit gewidmet und mich viel Neues erfahren lassen hat), Livio (seine Sekretärin, hat mir wichtige Papiere produziert), die gute Zahnärztin, und schließlich Alberto (der meine alte Beta wieder zum Leben erweckt hat).
Euch allen meinen großen Dank für Eure Herzlichkeit und meine Bereicherung
La Gaviota, am 10.02.2026 (Im Strandhaus vom Konsul Jose Antonio)
Nun kann ich es erzählen. Es sah, als ich endlich mein Motorrad hatte, so aus, als ob ich die Reise abblasen oder mindestens 4-6 Wochen später starten müsste. Der Treppensturz hatte Folgen. Die Beule am Hinterkopf war kein Thema mehr aber der Schmerz am „Sitzknochen“ links, verschwand all die Wochen nicht aber seit ich das Motorrad hatte, wurde er stärker und als ich dann drauf saß, nahe an unerträglich. Vorgestern klärte ich alles ab mit meiner ADAC-Auslandsversicherung Ich wollte nicht wieder finanziell so reinfallen, wie in Südafrika bei der Rückerstattung der Kosten meines Halswirbel-Problems, Ausfall des rechten Armes, und Abbruch meines Afrika-Ausfluges.
Gestern also in ein gutes privates Krankenhaus. Notaufnahme, CT, Auswertung durch einen Traumatologen. Ein befürchteter Beckenbruch oder -Riss wurde ausgeschlossen. Unten auf den „Ecken“ des Beckens, auf denen man sitzt, wenn die Arschmuskeln, sowie alle anderen auch bei mir in ziemlich verschwunden sind, befinden sich gelartige Polster. Das linke scheint beschädigt und ist entzündet. „Spritze, Tablettenkur, Gelkissen kaufen und Losfahren“. Mann (!), fiel mir ein Stein vom Herzen! Die Anspannung unter der ich die letzten Tage lebte, war nicht einfach zu meistern! Aber es hört nicht auf – Heute, in bester Stimmung bin ich auf dem Hof des Konsulats über eine hochstehende Platte gestolpert, gestrauchelt, einen Spagat gemacht und dabei einen der Restmuskel im li. Oberschenkel hinten schmerzhaft verletzt. Nun kann ich den Seitenständer vor dem Losfahren nur mit Schmerzen einklappen und wieder mit Schmerzen laufen und Treppensteigen.
Verabschiedung von der Mannschaft des Zollagenten und und von der Assistentin des und guten Fee, die mir mit ihren Mädels Dokumente aufbereitet, gescannt und an den Zollagenten, den ADAC, das Krankenhaus und an mich versendet hat.
Abschied von Gerardo, im Strandhaus, unter großer Anspannung/Zweifeln und nun voll von Glück über den morgigen Start
Hier im Konsulat hätte ich die fahrfertige Kiste für Wochen abstellen können, wenn ich mit dem Bus Mexiko bereist hätte. Den Sitzauflage habe ich zugeschnitten und in ihrem Bezug auf meinen Sattel geschnallt, während die Perle Lirio (Lilie auf Deutsch) Emails an den ADAC versendete.
Der Konsul hat mir außerhalb der großen Hilfe viel seiner Zeit geschenkt und es war immer spannend, Einblicke in das Tun eines Geschäftsmannes solcher Größenordnung zu erhalten. Das Profil der Familienfirma besteht vor allem im Planen, Bauen und Finanzieren von großen Hallen, die meisten zum Vermieten an Firmen. Zum Honorarkonsul wurde er eher durch Zufall, obwohl er keinerlei Ausbildung dazu hatte. Und das macht „Tonio“ gerne. Nachdem ich seinem Bruder zuschauen konnte, ein Angebot für eine Halle für VW (42.000 Quadratmeter!) zu bearbeiten widmete er mir den Rest des Tages. Nach dem Mittagessen wieder zu Hause, fuhren wir zu einer Firma, die Travertin verarbeitetet hatte. In Corona-Zeiten fiel der Hauptabnehmer in den USA weg. Maschinen und Restprodukte füllten die verlassenen Halle Das hatten sie gekauft und ein neuer Mieter ohne Ambitionen auf diesen Marmor. Auf dem Gelände lagerten 55.000 Tonnen Travertin-Blöcke. Minderwertig, wie er sagte und der wohl auch niemals abtransportiert werden wird. Dann ging´s durch ein großes Gewerbegebiet, wo er auf mindestens 20 Hallen zeigte die zur Firma gehören und vermietet werden.
Nachdem ich in der Oper in der lokalen Finanzwelt schon dabei sein konnte, gab es hier in im Strandhaus eine Familienparty wohl mit 40-50 Leuten mit einer unheimlichen Stimmung bei Trommelfell sprengender moderner mexikanischer Musik. Es ist unglaublich, wie ausgelassen und fröhlich die Mexikaner feiern!
Na ja, und am nächsten Tag gab es unten auf der Wiese vor Mexikanischen Golf Familien- und Freundes-Public-Viewing des SUPER BOWL auf drei riesigen Leinwänden mit Bier, wunder Big Macs und CUBA LIBRE, was mich betraf. Da vorher versucht wurde, mir die Regeln zu erklären, verstand ich etwas vom Sinn des Spektakels. Die Show war diesmal etwas Besonderes und war voll gegen Trump gerichtet, in dem fasst ausschließlich lateinamerikanische Akteure provokante Themen verarbeiteten. Langeweile hatte ich also nicht, bis ich die Beta in die Finger bekam.
Gestehen muss ich, dass nicht nur die Finger zitterten bei den ersten Fahrversuchen in der Stadt. Im vergangenen Jahr hab´ ich nur dreimal auf dem Bock gesessen. In Veracruz gibt´s zwei große Besonderheiten: Der Verkehrsraum besteht ausschließlich aus Einbahnstraßen, und was besonders besonders ist, es gibt keinerlei Verkehrsschilder. Wirklich (fast) keine. Keine Vorfahrts- oder Bushalteschilder. Letztere müssen irgendwie aus Gewohnheit entstanden sein. Man stelle sich das mal bei den entmündigt erzogenen Deutschen vor, mit Abermillionen von Schildern und Regeln !!! Mir gefällt das außerordentlich. Was ich mir in unserer privaten kleinen „Dorfkneipe“ schon anhören musste für meine liberalen Ansichten u.a. bei diesem Thema …Die Leute fahren hier sehr diszipliniert. Bisher habe ich nur eine Regel erkannt: Wer auf der breiteren Straße fährt hat „Durchfahrt“. Jedenfalls bis zur nächsten Ampel.
So jetzt habe ich nochmal Dinge zusammengekramt, die mir am Herzen lagen, aufzuschreiben. Also jetzt Haken dran an die Zollbehörden, die Schmerzen und an die schöne Stadt Veracruz mit den freundlichen Menschen (man hat mir versichert, sie wären überall so in Mexiko und ich kann mich freuen auf das Land). Und ich freu´ mich auch sehr darauf. Alle Last ist runter von mir und ich fühle mich frei und zuversichtlich. ADIOS VERACRUZ ! Würde ich nicht in ein paar Monaten schon 80 werden, würde ich lieber HASTA LUEGO
Hat eingeladen zu Baden wie auf Hiddensee (früher). Und das Ding nähe ich mir morgen an die Jacke (vielleicht hinten?)