Leon in Nicararagua, am 02.04.2026
Honduras? Angekommen in Honduras, habe ich abends noch recherchiert und versucht Pläne zu machen. Darüber und zwei Spanisch-Lektionen mit „Duolingo“ bin ich dann eingeschlafen. Am Morgen kam ich zu der Überzeugung, dass es in Honduras eigentlich nichts gab, was mich hätte glücklich gemacht. Am Tag davor habe ich mit dem „Umweg“ meine Möglichkeiten spürbar übertrieben und hätte hier in Nicaragua wahrscheinlich tausend Kilometer abgespult nach Norden an die Golfküste und wieder auf anderem Wege zurück ohne besondere neue Eindrücke. Also habe ich mich entschieden, parallel zur Pazifikküste auf geradem Wege einfach weiter nach Nicaragua durchzufahren. Und ich glaube, das war eine gute Entscheidung.
Über die etwa 150 Kilometer gab es nur zwei größere Ortschaften. Ansonsten war das zurzeit trockene Gebiet dünn besiedelt mit Farmen und Ranches. Ein paar Bilder entlang des Panamerica Highways habe ich aber trotzdem noch eingefangen.
Ein Tag später am Pazifik
Der Grenzübergang nach Nikaragua war diesmal langwieriger und auch teurer. Verschiedene Gebühren, Haftpflichtversicherung usw., obwohl mich der „Helfer“, der auch ordentlich zugeschlagen hat, an langen Schlangen vorbeigemogelt hat. Im ersten Dorf kam ich im netten kleinen „Hotel Frontier“ unter. Am nächsten Vormittag konnte ich viel erledigen mit Hilfe der Familie Rodrigues. Die Frau hat das Haus geerbt, sich mit dem US-amerikanischen Hausbauer aus Wisconsin verheiratet und nun verbringen sie den Winter in ihrer Heimat.
Motorradwäsche, Ölwechsel unter meiner Federführung, frische SIM-Karte unter fremdem Namen und Geldwechsel (1€ = 42 Cordoba Oro“) und gute Wünsche für meine Weiterreise. Ja, ohne Hilfe von freundlichen Menschen, wäre es schwierig, eine solche Reise zu meistern.
Das erinnert mich an einen gerissenen Kupplungs-Baudenzug im nördlichen Brandenburg, als ich zwei Stunden in brütender Hitze am Straßenrand improvisiert habe, und niemand angehalten hat…
mal wieder `ne gründliche Wäsche Gute Motoröl für hohe Temparaturen Meine Umlaufschmierung war ihnen fremd mit drei Ablassschrauben
Ortstaxis für kurze Wege Ein Peone hütet seine 35 Rinder am Straßenrand
Bei der Quartiersuche in der beliebten und auch schönen Stadt Leon, die noch den Charakter der Kolonialzeit atmet, habe ich unterschätzt, dass Ostern ist! Da sind neben den ausländischen Touristen vor allem lokale Leute aus Tegucigalpa, der Hauptstadt unterwegs. Wegen der Stadt aber auch wegen der Nähe zum Meer. Es wurde brenzlich, denn der Tag neigte sich schon. Zwei Online-Buchungen, die sich, als ich jeweils hinfuhr, als „Fake“ rausstellten, Voll. Ansonsten: Rumfahren, nachfragen, Kopfschütteln ernten. Als ich dann beim Hostel ViaVia zum zweiten Mal nachfragte: „hat gerade jemand storniert und ich ergatterte ein Bett im gemischten Schlafsaal“. Das ViaVia – ein riesiges koloniales Stadtanwesen wunderbar hergerichtet mit großer Gaststätte im Innenhof, durch die ich mein Motorrad bei vollem Betrieb bis in die letzte Ecke schob und abstellen durfte. Hab´ schlecht geschlafen bei über 30 Grad. Oder waren´s die weiblichen „Hormone“ im Raum?
Da nur eine Nacht frei war, suchte ich am 30km entfernten Meer für eine „Pause“, fand und buchte ein Bett im Hostel.
Samstag vor Oster am Pazifikstrand
Wunderbar gelegen mein Hostel-Bett für acht Dollar – was für Hartgesottene. Mein Glück – ich bewohne die kleine Bude ohne Fenster mit drei Doppelstockbetten ganz für mich alleine! Da ist alles andere dann unwichtig wie z.B., dass ich mir das Klo und ein Waschbecken draußen auf dem Hof der großen Strandgaststätte mit den etwa 200 Osterausflüglern teile. Meistens kommt nur kein Wasser, weil die Hauswasserversorgung ausfällt. Egal. Der Standort direkt am Strand ist toll, wenn da nicht …
Frühstück: Huevos a la Ranchero
… die Musikliebe der Nicaraguaner wäre. Vormittags war es noch so, wie man es sich wünscht an so einem Platz, an dem man dachte, sich mal auszuruhen. Als der Laden sich gegen Mittag füllte, wurden die beiden großen Boxen der Kneipe in Gang gesetzt mit einhämmerndem Maschinen-Rhythmus und gelegentlichem Dudelgesang. Nicht genug – die Leute bringen noch ihre eigenen großen Boxen mit (drei bis vier Stück auf dem kleinen Areal) und halten mit ähnlicher Musik dagegen. Alle Achtung!
Ich habe schön gebadet heute – mit den Kindern im flachen Wasser. In den Wellen und Sog trauen sich eh nur der Surfer weiter raus und warten auf DIE Welle. Über den schwarz-braunen Lava-Sand musste ich wegen Blödheit bei ersten Mal 20 m glühend heißen Sand überwinden, auf den letzten zwei Metern habe ich wohl aufgeschrien, denn die Leute im nahen Schatten guckten plötzlich alle zu mir.
Für morgen habe ich ein Zimmer in Leon und will mir die Stadt anschauen, die mir bei meiner Rumsucherei gefallen hat und da werde ich dann mal einen Plan machen, wie es weitergeht. Nicaragua hat allerhand Schönes zu bieten.
Leon noch einmal, am 06.04.2026
Am Ostersonntag habe ich hier ein Zimmer (ohne Fenster) und einen netten Gastgeber gefunden. Ostermontag-Feiertag ist wohl eine deutsche Erfindung. Fast alle Geschäfte waren zu. Die Stadt wirkte leer und eigenartig. Die dicht aneinander gebauten Häuser haben zwar meistens sehr schöne alte Haustüren aus Holz, hinter denen sich, zumindest in der Innenstadt, oftmals kleine Geschäfte verbergen, aber keine Fenster zur Straße hin. Und die waren eben alle zu. Gelebt wird in den Innenhöfen und dahin sind die Häuser geöffnet. Bei den einfachen Leuten sieht es entsprechend einfach aus in den inneren Wohnbereichen aber es gibt Herrenhäuser mit wunderschönen Innenhöfen, ringsum überdacht und den Zimmern darunter. Sehr geschickt gemacht für die brütende Hitze, wie gerade jetzt in der jetzigen trockenen Jahreszeit, und für die Regenzeit, die so Mitte Mai für mehrere Monate beginnt.
Die passenden Fotos habe ich leider nicht zu der Beschreibung eben
Dafür aber ein paar Eindrücke , wie die Straßen so aussehen.
Gestern nach meiner Ankunft war ich im Museo de Arte Fundacion Ortiz Gurdian. Ein sehr großes Gebäude nur mit (geschlossenen) Holztüren ringsum. Ich habe nicht rausbekommen, welchem Zweck es wohl mal gedient haben könnte. Innen aber! Die zahlreichen Innenhöfe habe ich nicht gezählt, einer schöner als der nächste gestaltet. Schattig, wohltuende Stille und kühl wohl auch wegen der vielen plätschernden Brunnen. Die Bilder: von den Alten Meistern, fast ausschließlich aus europäischen Werkstätten bis zu moderner hiesiger Kunst.
Die ursprüngliche Stadt Viejo Leon wurde 1524 gegründet. Wegen mehrerer Vulkanausbrüche wurde die Stadt 1610 an den jetzigen Ort verlegt. Als ehemalige Hauptstadt ist sie heute für ihre reichen Kolonialarchitektur und in der sandinistischen Revolution bekannt. Im Zentrum werden viele Helden, die 1975-79 im Kampf gegen die 40jährige Somoza-Diktatur gefallen sind, geehrt.
Gleich nebenan gab es gestern Abend eine kleine Prozession mit volkstümlicher Musik vor der Kirche nebenan mit anschließendem Feuerwerk. Die die Regierung mit der Kirche gerade im Klinsch ist, dürfen sie ihre Heiligen nicht durch die Städte tragen.
Nach Internet könne ich mit dem Motorrad bis an den Vulcano Cerro Negro ranfahren, las ich. Das hat mir mein Gastgeber aber dringend ausgeredet und ich solle stattdessen eine geführte Tour buchen. Als ich heute in dem klapprigen LKW vorne im Fahrerhaus „gepolstert“ mitfahren durfte, und die anderen 17 „Abenteuerer“, die alle 50 Jahre jünger, als ich waren, hinten auf Holzpritschen stuckerten, war mir klar: ich wäre keine hundert Meter durch die „flüssige“ Vulkanasche und über die Klamotten heil durchgekommen. Und diese Strecke war ungefähr 10km lang. Als wir ankamen an der schwarzen „Schutthalde“, habe ich erstmal bereut, dass ich mich auf sowas eingelassen habe.
Ich dachte, na ja, gehst ´n Stückchen mit und drehst wieder um. Am Ende war ich dann oben aber auch nur durch sie Geduld des Guides und seine Unterstützung, nachdem die jungen Leute schon längst angekommen. Die schwarze Lava-Asche hat noch ihren Teil beigetragen zur Sonnenhitze. 500 Höhenmeter (?).
Fast oben angekommen, gings dann mit leichterem Anstieg halb um den Kraterrand herum und der Guide rannte vor, die Meute oben einzuweisen, für das, was der krönende Abschluss werden sollte.
Das war dann die Belohnung. Auf einem Brett mit Strick dran, mit den Fußsohlen und Hacken, je nach Speed steuernd und bremsend auf der kiesigen schwarzen Asche den Abhang, den ich so mühselig erklommen habe, runter zu stauben.
im mittleren Bild unten, sieht man jemanden runterpfeifen
Nach 150 Kilometern Landstraßen durch trockene dünn besiedelte Landschaften, gelegentlich mit Futter suchenden Rindern unter den Sträuchern in eingezäunten Koppeln - etwa 200 Höhenmeter runter am inneren Kraterrand, Suche nach einer Unterkunft, bis ich diesen schönen Platz fand.
Hier lässt es sich aushalten. Aus meiner Koje sehe ich einen Ausschnitt vom See, eingerahmt von tropischer Vegetation und bis runter zum Ufer gibt es überall schattige Plätze. Das Wasser ist kristallklar und wunderbar weich. Paddelboote und Frühstück inclusive, die Cuba Libre am Abend am Computer in der luftigen Gaststätte mit schöner dezenter Musik allerdings nicht.
Heute am vorletzten Tag machte ich eine kleine Motorrad-Rundreise zu den beiden dicht beieinander liegenden Vulkanen Masaya und Santiago. Nicht spektakulär hoch aber der Santiago ist aktiv und an seinem Grund brodelt, vielleicht besser: glüht Lava. Eine organisierte Abendtour, bei der man das Leuchten sieht, wollte ich nicht. Der Wind stand heute günstig, so dass die giftigen Schwefeldämpfe nur direkt am Kraterrand die Lungen reizten. Sonst ist die Aufenthaltszeit auf nur fünf Minuten begrenzt. Ach ja, bis zum Rand führt eine Asphaltstraße durch den Nationalpark.
Vulkanmuseum. Im mittigen Wandbild sieht man ganz links im riesigen See Lago Cosibolca auf der Insel Ometepe den Vulkan Conception.
Da will ich noch hin
Auf dem Weg zurück noch ein Abstecher in die alte koloniale Stadt Granada
Hinweis: Wenn man die Videos anschauen will, muss man vor vorher ALLE COOCKIES akzeptieren. Sonst lässt Youtube das nicht zu
Isla Ometepe im Lago Cocibolca, am 12.04.2025
Ich habe mich schwer vom Paradies am Vulkansee Apoyo getrennt, bin aber gleich im nächsten Paradies gelandet. Auf der Insel Ometepe im riesigen See Cocibolca. Der ist schätzungsweise 150 km lang und 80 km breit. Doch zuvor noch ein paar Eindrücke von unterwegs.
Halt an einer Baustelle. Familienausflug. Mama spielt auf der Beifahrerseite der Klapperkiste Handy und die Familie sitzt/steht hinten drauf
Das kleine Städtchen Catarina liegt offensichtlich auf passender Höhe und scheint berühmt für seine vielen Gärtnereien zu sein
Diese wunderschönen Bäume sind oft Schattenspender für die Rinder. Na ja, und Tanken muss auch mal sein. Etwa 1,20 €/Liter
Überfahrt auf die Insel Ometepe mit den beiden markanten Vulkanen bei „stürmischer“ See“ auf dem See
Nach einem Missgriff für die erste Übernachtung, die ich vom schaukelnden Schiff gemacht hatte, bin ich dann an einen wunderbar urigen Ort am Wasser mit einer einmaligen Kulisse umgezogen. Binnensee-Meeresrauschen , Hängematten und tolle Stimmungen über den Tag.
Die beiden Schweinchen schliefen in der Tageshitze angebunden an Stricken, als ich meinen Spaziergang über die Lavabrocken am Wasser entlang machte. Dann hat der Besitzer sie losgemacht und sie stürmten zum Wasser und nahmen ein paar Minuten lang ein Vollbad. Danach drehten sie am Wassersaum entlang, jeden Steine um, und suchten fressbares darunter. Lustig.
An der flachen Stelle zwischen den beiden Vulkanen gibt es ein Feuchtgebiet mit einem verzweigten Wasserlauf und da machte ich heute eine Kajaktur. Ich schäme mich keineswegs zuzugeben, dass ich das Angebot (zum gleichen Preis) mit Guide annahm und dann auch noch zusammen in einem Boot, weil ich nicht wusste, was meine Halswirbel zum Paddeln sagen würden. Es ging erst tausend Meter über offenes Wasser und dann hinein in das kleine Naturparadies flachen Wassers, oft bedeckt mit diesen schwimmenden Wasserlilien. Es war gut, dass ich mit dem dem Guide im Boot saß. Nicht nur, weil ich nicht auf die Idee gekommen wäre, mich durch die grünen Flächen durch zu buddeln, sondern vor allem, weil er mir sehr viel erklärt hat. Es gibt fünf, sechs verschiedene Reiherarten und viele andere exotische schöne Vögel, Schildkröten, Kaimane, von dem wir ein Exemplar von der Standardgröße 1 Meter gesehen haben. Brüll- oder Kapuzineraffen haben sich nicht gezeigt. Ein malerisches Idyll und ein sehr schönes Erlebnis.
Einen Tag später und ein Land weiter …
Ich habe mir zu spät überlegt, an dem wunderschönen Platz noch einen Tag länger zu bleiben und den dann mit Nichtstun zu verbringen. Ich konnte den Eigentümer nicht danach fragen und woanders wollte ich auf keinen Fall hin. Also stellte ich den Wecker auf Sechs und tuckerte gemütlich über die Kleinpflasterstraßen, die beide Vulkane umrunden, zum Fähranleger der „Weißen Flotte“. Meine Beta wurde ordentlich „gelascht“, um nicht umzufallen. Bis dahin wusste ich noch nicht, ob ich einen Umweg an die Pazifikküste mache und noch einen „Salzwassertag“ einlege oder zur Grenze fahre. Die Grenze siegte. Nach den schönen Eindrücken vom Lago Cosibolca wäre es wohl langweilig am offenen Strand geworden. Abgelegt haben wir unter Landschutz auf der Lee-Seite der Insel aber später, vor dem Festland, hat sich die beulige Eisenkiste dann doch ganz schön bewegt. Den Seitenwind aus den Bergen des Inlandes hatte ich dann wieder einmal auf der Panamericana bis zur Grenze nach Costa Rica und auch danach zu parieren. Macht keinen Spaß.
Genau wie die Grenze. Die machte diesmal auch keinen Spaß. Viel Hin und Her zwischen ausschließlich unfreundlichen Leuten, die wohl alle letzte Nacht schlechten Sex oder zumindest schlecht geschlafen hatten. Also bin ich jetzt in Costa Rica, wo die Reichen Urlaub machen machen.