Costa Rica

Tamarindo, der 16.04.2026

 

Ja, die armen Teufel in den großen Trucks …! Die 80 Kilometer von der Grenze bis zur ersten Stadt Liberia waren annähernd unbewohnt. Nur um zu zeigen, dass ich nicht nur in traumhaften sattgrünen Tropenwäldern herumfahre, wo mir die Affen, Tucane und Murmeltiere zuwinken und die Bananen, Ananas oder Mangos vom Himmel regnen, gehören auch solche Bilder in mein Reisetagebuch. Seit den grünen Bergen in Guatemala bin ich ja vor allem im Küstenbereich unterwegs gewesen da war die Landschaft jetzt in der Trockenzeit, die etwa Mitte Mai endet, ausgedörrt. Die Hälfte der Bäume und Büsche sind kahl und das Gras der Rinderkoppeln entlang der Straßen abgegrast und Gelb. Ich kann ´ne Menge Hitze ab aber manchmal war es schon heftig, dass ich auch die Leute hier öfter habe stöhnen hören. 35 Grad im Schatten (?). aber wo ist hier schon Schatten bei senkrecht stehender Sonne …?

Spätestens wie hier ist der Traum vorbei vom tollen Trucker-Leben. Fünf Kilometer LKW-Warteschlange an der Grenze in Richtung Nicaragua

 

In Liberia  habe ich in einem winzigen Hostel-Zimmer mit zwei Doppelstockbetten übernachtet. Zwei Mädels und ein großer Schwarzer teilten sich mit mir die wenige, ziemlich warme Luft, die mit einem Miefquirl ein bisschen bewegt wurde. Natürlich habe ich da schlecht geschlafen. Trotzdem konnte ich am Morgen vor dem Losfahren, drei wichtige Dinge erledigen: Bart scheren, Geld umtauschen und meine SIM-Karte „heilen“. Die hatte ich nach Passieren der Grenze in einem kleinen Laden erworben und einrichten lassen, wo sie auch funktionierte. Als ich aber in Liberia ankam – kein Internet. Der Internetanbieter hat wohl meinen ausländische Passnummer nicht akzeptiert. Eine sehr pfiffige Fleischerin, die nebenbei noch einen Schalter mit Lotterie und Handy-prepaid betrieb, war sehr pfiffig, erkannte wohl das Problem und kriegte per Telefon mit dem Netzbetreiber eine Registration für mich Gringo hin. Bravo! Dann brach ich auf zur Küste.

 

Und die sie sieht natürlich fast so aus, wie die heimatliche: Blaues Wasser, Strand, Wellen, Palmen … Ach nee, Palmen gibt´s zu Hause ja keine und auch nicht so viele schöne, gut gebaute junge Mädels in maximal minimierten Bikinis.(Merke gerade, dass ich davon gar keine Exemplare fotografiert habe! 

 

Dafür sieht es hinter dem Strand in einem Badeort wie hier am Pazifik in Costa Rica dann doch etwas anders aus. Marianne hätte mir doch ein bisschen mehr Taschengeld mitgeben sollen!

 

 

Ich hatte ursprünglich vor, hier an der Pazifikküste der etwa 200 Straßenkilometer langen Nicoya-Halbinsel runter zu fahren. Aber abgesehen davon, dass ich mir den wirklich teuren Spaß nicht leisten will – die Straße mit vielen Badeorten ist sehr befahren und für so viel Stopp-and-Go und die üblen Schikanen in den Ortschaften reichen meine Kräfte nicht.

 

 

Ja, die Gaststätten sind sehr schön gestaltet, haben tolle Speisen in den Karten (ob es auch schmeckt oder mehr kann ich dazu nicht sagen) und abends gibt es überall gute Live-Musik in den Lokalen. Als ich vorhin zurück kam mit zwei Dosen Bier aus dem Supermarkt - ich will´s ja auch ein bisschen schön haben (beim Schreiben) - Musik sogar hier vor der Gaststätte meiner Unterkunft - bekam meine BETA einige Ständchen.

 

 

 

 

Santa Elena (am Nebelwald), 18.04.2026

 

Gestern bin ich also aufgebrochen von der schönen Küste und es zog mich in die Berge an den angepriesenen Ort, etwa auf 1500 Meter. Unterwegs eine kleine Mahlzeit – Ceviche, ein köstliches Gericht aus Fischfiletwürfeln in Limettensaft angedünstet. Die letzten fünfzig Kilometer waren schwierig für meine spacke Beta und damit auch für mich. Kaputte kleine Straßen und zum Schluss Schotterpisten mit steilen Anstiegen, wo sie dann besonders „rauh“ sind.

 

Angekommen, untersuchte ich auf Rahmenbruch und entschied mich, die anderthalb Stunden bis Dunkelwerden „noch schnell“ die Ventilspiele zu kontrollieren und ggf. zu korrigieren.

 

 

 

 

 

 

Also Tank runter, Kerze raus und ein paar Dinge abbauen, die Ventildeckel aufmachen. Eigentlich Routine. „Aber dann Kopfkratzen“, Motorrad abdecken, was Einfaches zu Essen suchen, PC-Arbeit für zu Hause erledigen, Schlafen (schlecht).

 

Heute Morgen Anruf bei meinem Freund Stephan (Motormänner Berlin). Der knipste mein Gehirnlicht an – blöder Fehler von mir, auf den ich hätte selber kommen können: Falschen OT (oberen Totpunkt) eingestellt. Auf dem kann man auch keine Ventile einstellen. Wusste ich natürlich - aber das Alter …!


 

All diese schönen Dinge würde man hier oben erleben können… Und dann die große, die Versprechungen einlösende Wandtafel in meinem Hostel, in dem ich ein nettes Einzelzimmer bekommen habe:  Let`s explore together. „Lasst uns gemeinsam erkunden/erforschen“ – passt genau zu meinem Sparsam-Allein-Reise-Stil. Etwa so, wie auf dem rechten Bild.

 

 

Als meine Beta wieder klar war und der Motor rund lief, machte ich mich auf, weiter hoch in den Nebelwald. Die Piste war schwer zu fahren. Besonders in den engen ansteigenden Kehren mit rollendem Split/Schotter auf hartem Untergrund. Ist einfach gesagt: nicht vom Gas gehen! Meine ansonsten ordentliche Handschrift erkannte ich nach der Fahrt nicht wieder im Buch, in das sich die Besucher eintragen müssen.

 

 

Nebelwald deswegen, weil die aufsteigende feucht-warme Luft hier oben zu Nebel wird, an den Blättern und Pflanzen ausfällt und es dabei so viel regnet, dass die Vegetation davon sehr üppig profitiert. Ich glaub`, das Patent gibt es an der gesamten tropischen Pazifikküste häufig. Ich war über zwei Stunden auf diesen angelegten Pfaden unterwegs und es war paradiesisch, kühl, üppig und still.

 

 

Diesen schönen Blick über die Baumwipfel zum Arenal Volcano gab es von einem Aussichtssturm aus, den anderen durch eine Waldlücke später. Der Arenal ist der jüngste Vulkan Costa Ricas und brach 1968 aus. Von da an war er vierzig Jahre aktiv und hat in der Zeit über 200 mal Lava rausgewürgt.

 

Das einzige Tier, das ich auf dem schönen Spaziergang gesehen habe, war diese von Fühlern bis Schwanzende etwa 10 mm messende Schnecke auf einem großen Blatt. Die anderen beiden pelzigen Gesellen sah sich später am Nationalparkgebäude und hier auf dem Grundstück.

 

 

 

 

La Fortuna, am 19.04.2026

 

Heute hatte ich einen wunderschönen Motorradtag, als ich weiter nach Osten wieder aus der Bergkette mit dem Nebelwald-Erlebnis runtergefahren bin. Auf schmalen und geflickten Straßen ging es abwärts. Erst durch Wälder, bis sich die Landschaft öffnete und sanfter wurde. Auf den grünen Wiesen lagerten satte, runde und wiederkäuende Rinder. Anders als auf der Pazifikseite all der Länder, die ich durchfahren bin, wo sie ausgemergelt auf den kahl gefressenen trockenen Koppeln in der brütenden Sonnenhitze standen. War aber auch eine andere, hellbraune Rasse. 

 

An den Vulkanen im Hintergrund, sieht man schön, wie sich im Wind Wolken an den Spitzen bilden und dann aussehen, als wären sie angehängt

 

Die Fahrt um den See auf der kurvenreichen neuen Straße war ein Traum! Durchweg dichter tiefgrüner Urwald. Sehr schön ist es immer, wenn man von Anhöhen aus von oben einen Blick auf das dichte Blätterdach bekommt. So viele verschiedene Grüns, gelegentlich durch eine Blütenpracht komplettiert. Der dichte Wald hatte allerdings auch einen Nachteil – ganz selten gab es mal einen Blick auf das blaue Wasser.

 

In letzter Zeit, weiß ich am Vorabend immer weniger, wo es mich am nächsten Tag hinzieht. So auch heute.

 

 

Am Ende des Sees erhebt sich der markante Volcano Arenal aus der Landschaft, um den es viele Thermalquellen gibt

 

 

 

Cahuita, am 22.04.20226

 

 

260 Kilometer hatte ich mir vorgestern vorgenommen, um in der Nähe zur Grenze nach Panama auf die karibische Küste zu treffen. Die durchlässigen, oft über lange Strecken geraden, und meist mäßig befahrenen Straßen machten die Strecke zum Vergnügen. Ich konnte mit meinem „Tempomaten“, einem kleinen, mal nachgerüsteten mechanischen Patent, oft meinen Gasgriff fixieren - die Kupplungshand  hatte auch nicht viel zu tun – und Übungen machen für mein mitreisendes Halswirbelproblem machen. Was aber vor allem die Fahrt so angenehm machte, war die üppige tropische Natur. Wälder, Kuhweiden, erst Ananasfelder und später Bananenplantagen, Blicke auf dicht bewaldete Berge zum Landesinneren hin und manchmal auch ein bisschen hindurch. Da ich durch die letzten Länder vor allem auf der zurzeit trockenen Pazifikseite unterwegs war, war es ein in Fest für Augen und Sinne.

 

 

Kurz wunderte ich mich über die vielen Containerstapelplätze links und rechts der Straße, bis mir schnell das Chiquita-Logo auf den weißen Kühlcontainern auf die Sprünge half. Kurz danach passierte ich die geschäftige Hafenstadt Puerto Limon. Gestern telefonierte ich mit meinem Bruder Thomas, der auch als „Sparks“, als Funker zur See fuhr und sich erinnerte, dass er mal in diesem Hafen war.  „Dann verpack` doch gleich Deine Karre dort zwischen Bananen und Kokain“, aus Südamerika und von  Mittelamerika oft verschifft wird.

 

 

An dieser Flussmündung hatte ich den ersten Blick auf die Karibik. Gefühlt habe ich Hundert Flüsse und Flüsschen, die alle Waser führten.

 

Dass es hier Unterkünfte geben würde, wusste ich, fand dann auch durch Abklappern der Waterkant das schönste, was ich zu träumen gewagt hätte! Bei Jenny (77). Meine Terrasse im oberen Teil der „Pension“, die sie betreibt, ist keine zehn Meter vom korallig harten Ufer entfernt. Über die knorrigen, mit großen fleischigen Blätter weit ausladenden, Salzwasser liebenden Bäume hinweg schaue ich auf, die weite offene Karibik – NNO: Kuba ONO: Haiti/Dominikanische und im Osten Kolumbien. Ist auch für mich als altem Seefahrer schön, hier zu sein. So schön, dass ich mir, als sich den schönsten Raum gut bezahlbar sicher hatte, gleich mal um die Ecke eine 1-Liter-Pulle Rum Flor de Cana (Nicaragua) gekauft habe und Obst (Hab` mir gerade ein Cuba Libre zusammen gemixt, zumal gerade ein Schauer runter geht und es dunkel wird). Ich hab Jenny, die aus Kanada stammt,  für nachher zu einem Drink eingeladen und bin gespannt, was sie alles so zu erzählen hat. Oh! Jetzt rauscht der Regen hier mit Getöse in die Blätter und ich sitze trocken zwischen schönen roten Tropenhölzern meiner Veranda unter einem breiten Dach. Herrlich!

 

 

Zwei Stunden und zwei Cuba Libre später. Ich habe mir heute wieder mal ein Gaststätten-Abendessen geleistet. Paniertes Fischfilet mit gegrilltem Gemüse. Eigentlich wären hier Krabben, Shrimps oder gar eine ordentliche Languste angesagt … Als DDR-Seemann konnte ich mir das noch leisten – jedenfalls auf Cuba mit unseren Kaugummi- oder anderen kleinen Chinch-Geschäftchen. Danach saß ich mit Jenny zusammen auf meiner Terrasse und prompt ging ein noch stärkerer und langer Tropenregen nieder und ich habe leider von ihren Redeschwalls auf meine Fragen zu wenig verstanden, akustisch wegen des Regens. Schade. Jedenfalls ist sie in den 70er Jahren aus Kanada per Bus ausgerissen, weil es ihr dort zu kalt war und nach Stationen in den Ländern dazwischen dann irgendwie hier in diesem Dorf hängen geblieben. Hier bekam sie `ne Tochter, der Kerl haute irgendwann ab und sie schlug sich irgendwie durch, kaufte dieses leere Grundstück am Wasser, machte `ne Zeichnung auf kariertem Papier und baute dieses Haus (das aber später mehrmals „korrigiert“ wurde. Ich konnte mir ein Lob für das sehr geschickte Design und die wunderschönen verbauten Tropenhölzer nicht verkneifen. Die könnten sich heute nur noch die reichen Amerikaner leisten, die hier bauen. 

 

 

Der Strand sehr urig, überall Schatten durch die ausladenden „Salzwasser-Ufer-Bäume“ und kaum Leute, da die nationale Saison gerade vorbei ist

 

Ich sitze immer noch draußen bei der Musik der kleinen Brandung und der Zikaden. Es hat sich nach dem Regen vielleicht um zwei Grad auf 28 abgekühlt, was anscheinend die Mücken ermuntert, sich an meinem Blut zu wärmen. Wenn ich bleiben wollte, müsste ich morgen umziehen und da es kein Recht gibt, dass man ewig im Paradies bleiben darf, werde ich weiterfahren. Ich hatte mehrere Optionen im Kopf ich nehm` die, die mich über die Grenze nach Panama, meinem Zielland der Reise bringt. Da ich dabei erstmal an der Karibikküste bleiben werde, fällt es mir nicht so schwer.

Wer weiß, wo die die Hölzer herkamen und wie lange sie auf dem Meer umhergeirrt sind, um hier ihre Ruhe zu finden?          Schöne Maserungen.

Ende Costa Rica