Der Ausflug in den SUDARBAN- Nationalpark endlich fertig. Wer Lust hat, kann noch mal nach Bangladesch zurückgehen

 

Kalkutta, der 08.01.2018 

 

Ich hatte es schon fast vergessen, dass ich mit meiner Maschine nur nach Bangladesch reingekommen bin, weil die Zöllner so beeindruckt davon waren, dass ich 20.000 km auf wie Rädern unterwegs war, um Bangladesch zu besuchen und so freundlich waren, so lange rumzutelefonieren, Anweisungen und ähnliche Vorgänge im meinem Sinne zu interpretieren, bis ein Weg gefunden wurde Bei der Ausreise dann nach Indien wurde ich wieder daran erinnert. 

Wo ich den herkäme, wie ich mit der Maschine reinkommen konnte, ohne Bankbürgschaft die in meinem Falle ca. 12.000 € ausgemacht hätte und wie nun rauskommen? Das waren die Fragen, womit sich ca. zehn Leute zwei Stunden lang beschäftigten, bis der Chef Grünes Licht gab und ich abgefertigt und zur ebenfalls erstaunten Immigration geschickt wurde. Die indische Einreise dauerte ähnlich lange. Ich weiß gar nicht mehr, warum eigentlich. Die Grenze schließt um sechs, ich war um 7 durch, weil die Grenzer anscheinend lieber von meiner Reise hören wollten, als nach Hause zu müssen. Übrigens solche verrotteten Abfertigungsräume und so hatte ich vorher auch noch ich passiert. Es war schwer, sich zurecht zu finden zumal mürrische indische Beamte keine Auskünfte geben, wo es wie weitergeht. Mit Kalkutta wurde es also nichts mehr. 

Unterwegs gibt’s immer was sehen und zu staunen, wie zum Beispiel diese schöne alte Alleenstraße im Dunst.

oder Töpfereien

 

Es war ein schlimmes Gewühle, in die Stadt zu gelangen und wo sucht man in einer 15-Millionen Stadt? Ich suchte da, wo die Straßen am dichtesten waren. Entweder die Hotels hatten keine „Lizenz für Ausländer“, was auch immer sich dahinter wirklich verbirgt, die Zimmer waren so übel, dass ich mal keinen Bock auf diese Kategorie hatte oder keine Möglichkeit mein Fahrzeug nachts sicher zu verwahren. Ich war einfach an der falschen Stelle. Dabei suchte ich eigentlich für die Tage, an denen ich meine Probleme für die Weiterreise lösen wollte, mal was Freundliches. Nach ein paar Stunden gab ich genervt auf, und beanspruchte booking.com, fand was Bezahlbares, war nicht gründlich bei er Wahl des Standortes und landete in einer Gegend, die sich wie „Stadtrand“ anfühlt, eine ruhige Wohngegend. 

Hier in der Hafenstadt Kalkutta (in der ich natürlich auch schon ein paarmal war) wollte ich entscheiden, wie es je nach Reparaturmöglichkeiten weitergehen wird. Mein treuer zweirädriger Freund brauchte für eine Fortsetzung dringend fachkundige Zuwendung. Wenn die hier nicht zu bekommen wäre, hätte ich sie hier, allerdings sehr enttäuscht, verschifft und wäre nach Kerala in den Urlaub geflogen. Zu viele ernst zu nehmende Probleme hatten sich angesammelt.

 

Ein Tag aus dem Leben eines Individual-Reisenden  

Also ran an die Probleme: Sechs, sieben Marken-Werkstätten, wie HONDA, SUZUKI, YAMAGA, ROYAL ENFIELD, lehnten eiskalt ab, sich meine Sorgen auch nur anzuhören. Ein Kunde, der meine zunehmenden Sorgen und Wut sah, gab mir den Tipp, ich solle mal zum Wellington-Platz, da gäbe es viele lokale Werkstätten. Also auf dahin mit meinen Ersatzteilen. 

An einer Ampelkreuzung wollte ich abbiegen, nutzte die Lücke zwischen einem gerade haltenden Auto und der eisernen Absperrung zum Fußsteig, die Autotür ging auf und ich knallte gegen deren Hinterkante und landete eingeklemmt unter der Maschine und dem Eisenzaun. Sofort befreiten mich Leute aus der misslichen Lage. Ich hatte solche Schmerzen in meinem dünnen Handschuh, dass mir die Sinne schwanden und mir schwindlig war. Es war sehr wohltuend, dass auch sofort zwei Flaschen Wasser gebracht wurden (merken!). Vom rechten Mittelfinger habe ich mir vorne ein Tetanus, Verband, Medikamente für den ersten Tag und Rezept. Alles umsonst. Die Notaufnahme ist kostenlos für alle im staatlichen Krankenhaus. 

 

Was sich hier abspielt in der Notaufnahme ist mit Worten nicht zu beschreiben. Tausende Menschen warten. Viele draußen auf der Erde oder liegend auf den Fluren in blechernen Tragen oder nur so, Leute mit Tropf werden auf diesen Tragen reingebracht, Angehörige halten Hände und beruhigen phatisch Leidende. Ein junger Mann hielt seinen Arm hoch mit einem tiefen Schnitt quer, da, wo man sich mit einem Schnitt das Leben nimmt, eine junge Frau saß schon beim Doktor mit einer Verbrennung eines ganzen Armes von er Hand bis zur Schulter. Die Ärzte und Schwestern an den Enden der Schlangen (nicht in einem extra Raum) arbeiten unter unsäglichen Bedingungen des Andranges und Getöses von Hunderten von Menschen. Einen weißen Kittel sah ich nirgendwo. Bloß gut, dass ich Deutscher bin. Ich hätte einen Tag (und vielleicht die nächste Nacht) dort verbringen können.

 

Frisch verbunden wieder aufs Motorrad und endlich auf zum Wellington-Platz. Irgendwann habe ich in Bangladesch Mit dem Sprit auch Wasser getankt, das ich häufig am Vergaserboden abgelassen habe, wenn die Maschine Spirenzchen machte. In dem dichten Verkehr ging sie mir nun öfter aus, Sprit ablassen half nicht mehr, bis durch das häufige Starten die Batterie leer war. Schieben bis zur nächsten Kreuzung, an der glücklicherweise eine Tankstelle war zum entspannt Parken. Vor der Reise hatte ich mir ein spezielles Starthilfekabel gebastelt, das schon ein paar Mal zum Einsatz kam. Niemand wollte mich an seine Batterie lassen. Batterie raus, auf die Suche gehen, eine Werkstatt, die Batterien verkauft und lädt: „Diese Marke laden wir nicht“. Eiskalt. Weitersuchen. Im dritten Batterieshop fand ich genau meine Größe, vorgeladen, und konnte Starten. Es fand sich wieder einmal ein freundlicher junger Mann auf Dienstreise, diesmal aus Kerala, der mir half, mein Batterieproblem zu lösen.

Der Wellington-Platz war nicht mehr weit. Mit mehrmaligen Neustarts rettete ich mich bis dahin. Als ich wieder mal stehen blieb,war gegenüber eine kleine Schrauberbude. Ein Volltreffer!, wie sich heraus stellen sollte. „Wo ist das Problem?“ Genaue Beschreibung der Ausfälle unter Erwähnung des Wassers im Sprit und dass ich hier in Kalkutta sowas, wie eine Generalreparatur machen muss. “Vergaser“, während ich befürchtete, dass die Zündbox sich wieder verabschiedet. „Wir“ arbeiteten bis Mitternacht vor allem an der „Generalreparatur“, der Vergaser war raus und ausgewaschen. Das war der Tag meiner Ankunft in Kalkutta, der 06.01.2018.

 

 

Kalkutta, am 10.01.2017 

 

Ich wollte nur eine paar Tage bleiben, Jetzt wird es eine Woche. Das Hotel hier draußen war natürlich ein Fehler, den ich blöderweise auch nicht korrigiert habe. Meine ganze Ausrüstung im Zimmer zerstreut ist und ich die Abreise immer um einen Tag weitergeschoben habe. Jeden Tag muss ich mich vormittags in die Stadt hinein und abends wieder rauswühlen. Von den uralten von Hand gezogenen Rikschas bis Bussen sind die Straßen voll. Mehr geht nicht. Bisher habe ich mir nur einen halben Tag „frei genommen“ für Sightseeing per Motorrad. Der Rest war nur „Dinge erledigen“, die zu erledigen waren.

Am nächsten Tag kam der Vergaser rein und am Tag darauf nochmal raus, weil der Motor Probleme mit dem Abtouren und dem Standgas hatte. Das ist noch nicht ganz erledigt. Trotzdem hätte ich keinen besseren Schrauber finden können. In dem Getöse der dicht befahrenen Straße verloren die beiden Mechaniker nie die Ruhe und es gab bei den ständig 3-4 auseinandergerupften Maschinen kein Problem, das offenblieb. Der Ersatzteilladen über die Straße hatte wirklich alles, wie z.B. fünf passende Kugellager von KSF (deutsch). Die Maschine ist jetzt wirklich runderneuert. Radlager vorn und hinten gewechselt, die hinteren waren verrostet und die Kugeln schon ein bisschen eckig. Ich denke beim Waschen per Hochdruckreiniger ist Wasser eingedrungen. Eine neue Kette habe ich drauf, bei der zwei alte Glieder eingenietet wurden, weil sie zu kurz war. Bremszylinder der Fußbremse gewechselt (aus meinem Bestand, Türkei), Bremsen gewartet, Gabel-Öl gewechselt. Eine Dichtung unten leckte. Den alten Kupferring habe ich über Holzkohle ausgeglüht, über dem eigentlich Tee gekocht wird.

Motoröl gewechselt und den Ölfilter ausgewaschen, da ich keinen jungfräulichen mehr habe. Motorventile eingestellt nach Fingerspitzengefühl. Neue Zündkerze. Tank gereinigt. Das zunehmende Klappern der Ventile habe ich wahrgenommen, aber nicht den Zusammenhang mit nachlassender Motorleistung. Da sowas schleichend von statten geht, habe ich es nicht realisiert. Jetzt schnurrt sie wieder sauber und hat wieder einen satten Anzug. Sehr schön. Klopfgeräusche von der Kette sind auch weg, weil wir meine inzwischen runtergewetzte Grafitschmierung und hinten eine nicht unbedingt notwendige Kettenführung abgebaut haben. Der in Islamabad drangebastelte Spritzschutz ist neu und noch einige Kleinigkeiten. Beim Unfall abgebrochenen Handschutz geflickt, abgebrochenen linken Siegel erneuert. Ich bin morgen zum Verabschieden nochmal in der Werkstatt. Ich weiß nicht, ob ich ihn nochmal bitten soll, wegen des schwammigen Standgasverhaltens den Vergaser noch mal rauszuholen. Für das Ganze incl. Material habe ich keine Hundert Euro bezahlt. Eine Spende wurde nicht angenommen. Der nette und aufgeweckte Junge ist ständig in der Werkstatt, hat keinen Vater mehr, geht nicht zur Schule, weil das Geld nicht reicht und versteht alles auf Englisch, Er wird mal ein guter Mechaniker.

 

Genug vom Motorrad. Ich war noch mal im Krankenhaus beim Chirurgen, weil sie weh tat, die kleine Verletzung. Ich dachte, es müsste was abgeschnippelt werden. Entzündung: Antibiotika. Pflegehinweise. Tabletten gibt’s in jeder Apotheke, Verbandmaterial nicht. Das muss man suchen und bekommt es dann irgendwo aus einer staubigen Kiste. Ein Zahnarzt stand noch auf meiner To-do-Liste. Hübsch, jung, freundlich hörte sie sich meine Wünsche an, wie es ablaufen soll, dass meine edle Prothese ja keinen Schaden nimmt, bis sich auf halber Strecke rausstellte, dass sie die Krone zur Sicherheit doch nicht fest aufzementieren wollte. Wir einigten uns auf eine abgespeckte Version.

 

 

Eine neue SIM-Karte musste ich mir auch noch besorgen, was hier nicht so einfach ist. Ausländer kriegen die nur in Hauptbüros der Anbieter mit Passbild und einem Bürgen. Meine alte war mit dem vorletzten Visum Ende des Jahres automatisch abgelaufen und nicht mehr zu gebrauchen. Eine schwarz an der Grenze beschaffte, funktioniert nicht in allen Provinzen. 

Nur zwei „Attraktionen“ Kalkuttas habe ich gezielt besucht. Ich weiß, das ist beschämend, zumal ich nicht mal weiß wieso das VICTORIA MEMORIAL da entstanden ist. Mir fehlt einfach Zeit zum Ergründen und selbst zum Nachdenken.

 

 Spannender war die HOWRA BRIDGE in der trüben Abendsonne und das Treiben drum herum. 

Puri (am Golf von Bengalen), am 15.01.2018 

 

Bis zur letzten Minute in Kalkutta war ich unter Druck, wie alle die Tage davor. Früh auf dem Markt, suchte ich einen passenden stabilen Karton auf dem Markt und packte Sachen ein, um sie nach Hause zu schicken. Zelt, Schlafsack, warme Klamotten, abmontierte Teile vom Motorrad, eine leichte geschmiedete Sichel für Marianne und ein Macheten artiges Beil für mich. Ich stand, irgendwo in Bangladesch, daneben, wie mein Beil geschmiedet und gehärtet wurde. Ein Stück Federstahl, ein Schmiedefeuer, ein Amboss und drei blacksmiths, die im Takt nacheinander die Hämmer auf mein Eisen niedersausen ließen. Ich komme an solchen Dingen nicht vorbei.

Draußen vor dem Postamt saß ein „Einpacker“ auf der Straße, der die Formulare und feines Sackleinen zum Einnähen meines Kartons (9 kg) hatte.    Die uralten Rikschas aus meiner Seefahrtzeit rollen auch noch.

Als ich nach der Paketaktion starten wollte, sprang sie nicht an und ruckzuck war die Neue indische Batterie leer. Toll. Kein Zündfunke und sofort dachte an die Zündbox. Auf dem Bürgersteig „schraubte“ jemand Mopeds. Der hatte eine passende verrostete Zündkerze. Mit meinem Starthilfekabel, über das immer alle staunen, bekam ich Saft von einem Motorrad und sie sprang an. Zurück zum Hotel, meine Zündkerzen holen und rein in die Stadt (eine Stunde für 7 km) zur Werkstatt. Meine alte Batterie war noch da (natürlich auch leer) und schnell eingebaut. Wieder Starthilfe und mit Kribbeln im Bauch ab in die Nacht zurück zum Hotel mit einem Kleinen Sightseeing-Umweg. Ich solle morgen noch mal kommen, dann würden sie die Elektrik durchchecken. Das war wieder so ein wunderschöner Tag, mein letzter in Kalkutta. Was ich nachts bei einem Ausfall hätte machen können, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich hätte ich neben der Maschine im Rinnstein geschlafen…

 

Die beiden tollen Burschen aus der Werkstatt und Fateh, der mir u.a. geholfen hat, eine neue Hose zu finden. Die alte war nicht mehr salongfähig

 

 

In die Werkstatt fuhr ich am nächsten Tag nicht mehr, weil ich ihre Vermutungen mit Lichtmaschine oder Regler ausschließen konnte sondern brach auf zur letzten Etappe mit dem Ziel KERALA. Entfernung auf dem kürzesten Weg: 2.500 Kilometer.

 

Über Schnellstraßen, Landstraßen und Brücken, durch flaches aber abwechslungsreiches Land ... 

…gibt es immer wieder Überraschungen. Mal ein Elefant von dessen rotgefärbter Stirn ich auf meine einen roten Punkt übertragen bekam. Oder drahtige Radfahrer aus Kanada auf dem Weg von Kalkutta nach Madras. Eine Truppe, die per Bus und voll ausgerüstet auf einer 30tägigen Indien-Rundreise war, lud mich an einem Fluss zum Essen ein. Erst aßen die Männer, dann die Frauen. Da ich wie immer langsam, diesmal aber auch mit ein bisschen „langen Zähnen“ aß, rutschte ich in die Frauenrunde rein.

 

 

Gestern steuerte ich für die Nacht Konath an, wo es den Tempel des Sonnengottes zu besichtigen gibt. Als Beispiel höchster hinduistischer Baukunst und übersät mit feinen Sandsteinschnitzereien ist er in die Weltkulturerbe-Liste aufgenommen.

 

 

Als es dunkel war, gab es eine schöne Licht- und Ton-Show, auf die Tempelbauten projeziert, in der die Geschichte des Tempels erzählt wurde.

 

Puri am Tag darauf 

 

Ich brauch mal eine Pause zum Verschnaufen. Kalkutta hat geschlaucht mit dem Erledigen all der Probleme und immer durch das Gewühl und schrille Gehupe. Der Finger will einfach nicht heilen und tut weh, dabei pflege ich ihn gut mit täglichem Desinfizieren, Heilsalbe und mehrmaligem frisch Verbinden. Ich war damit unterwegs nochmal im Krankenhaus. Der Doktor (Bild) meint: Geduld und weiter pflegen mit neuen Medikamenten. Auch hier nur 5 Rupies (7cent) Anmeldegebühr. Eine Schnittwunde an der linken Hand will auch nicht zu gehen, ich habe Halsschmerzen mit dicken Mandeln und bin müde die letzten Tage. Hier am Meer ist der rechte Ort zum Luft holen.

Puri ist eine große Stadt mit Strand und Massen an (indischen) Touristen und vereinzelten Bleichgesichtern. Viele scheinen auf Pilgerreise zu den zahlreichen Tempeln zu sein, zu denen nur Hindus Zutritt haben.                                                                      Sprechstunde

 

Der Fischer Vijay und seine Familie 

Als ich an den Strand kam, saßen eine Gruppe Fischer zur Beratung in der Runde. Es ging um das Ponga-Fest, eine hinduistische Zeremonie am nächsten Tag. Dabei traf ich auf Vijai und erfuhr wieder allerhand Neues über die Fischerei hier. Zum Abend war ich dann zum Bratfisch in seinem Zuhause eingeladen. Am nördlichen Ende des Strandes ist ein Fischerdorf. Deshalb habe ich mich auch hier einquartiert und nicht am übervölkerten schicken Touristenstrand. Der Weg zu seinem „Haus“ ging durch dunkle Gassen mit Abwasserrinnen. Die kleinen Makrelen brutzelten schon in er Pfanne. Das Haus besteht aus der Küche, dem Wohn/Schlafraum mit allen vieren im einzigen Bett (jedenfalls zurzeit) und einem kleinen Hinterhof mit Plumsklo. Die beiden Kinder gehen hundert Kilometer entfernt in die Schule, wohnen dort bei der Oma und kommen an Feiertagen und in den Ferien nach Hause, so wie jetzt gerade.

 

 

 

Vijay, der sein ordentliches Englisch am Strand von Touristen gelernt hat, und seine Frau Parvathi sind nicht zur Schule gegangen, Er fischt auf dem Boot eines Anderen mit, und wie es meist in der Welt üblich ist, geht der Fang zur Hälfte an Boot und Eigner, der Rest wird an die Besatzung des kleinen Bootes verteilt. Nachts paddeln sie mit 3 oder vier Mann ein paar Stunden weit raus, setzen Stellnetze auf Sardinen oder Makrelen und legen auch Leinen mit Haken, um ihr Glück mit Thunfischen zu versuchen. Wie sie die auf die kleinen Boote gehievt bekommen, ist mir schleierhaft. Die Netze bleiben nur ein bis zwei Stunden stehen, weil sie sonst von anderen räuberischen Fischen oder Krabben leergefressen werden, so dass nur die Gräten übrigbleiben. Je nach Erfolg stellen sie die Netze zwei- bis dreimal und paddeln dann zurück, wo sie an Großhändler je nach Verhandlungsglück verkauft werden.

                                                                     Das sind die kleinen Boote.

 

Ich wollte mehr wissen über Bauweise, Preis für ein Boot, neu oder gebraucht und ob sie hier im Ort gebaut werden. Die Plastikboote sind komplett als Hohlkörper gebaut und haben ein Holzdeck für Besatzung, Netze und Fang, einen schmalen Schwerkasten und eine Vertiefung, wo ein Segelmast reingestellt werden kann. Heute schaute ich mir die „Werft“ an, in der die Kunststoff-Boote laminiert werden. Kurz und gut: Der überglückliche Vijay wird in Kürze ein eigenes Boot besitzen, auch dank der Hilfe durch meinen großzügigen Freund. Ich hoffe, es ist auch in seinem Sinne. Jedenfalls gibt es wenigstens eine glückliche Familie mehr im armen Osten Indiens und zwei Kinder, die eine gute Ausbildung machen können. Es sind liebe Menschen und es war schön, zu sehen, wie sie miteinander umgingen. Deshalb fiel es auch leicht. Sie sind übrigens Protestanten und es gibt eine Kirche im Dorf.                          Der Hinterhof, die Nachbarin mit einmonatigem Baby und die Nachbarschaft

 

 

Die glückliche Familie „vor“ und „nach“ dem Boot …

 

Am Sonnenstrand, das, was die alten Herren Bibliothek nannten und der Jagannath-Tempel

 

Ausgeruht bin ich bin ich eigentlich nicht aber ich muss weiter. Auf der schnellsten Strecke sind es 2.000 Kilometer bis Kochi (zu meiner Zeit hieß es noch Kotchin). In vierzehn Tagen möchte ich da sein; Marianne kommt am 5. Februar. Da ich nicht weiß, was mir alles unterwegs noch begegnen wird, geht´s morgen weiter. Es war mir klar, dass es nun nicht mehr die grandiosen Dinge sind, die auf meinem Weg liegen, aber kleine Eindrücke und Erlebnisse machen mir auch Freude.